Geheimnis im sibirischen Eis
Was kommt, wenn der Frost geht

Über den Film:


Erst war aus der Ferne ein tiefes Grummeln zu hören, bis sich plötzlich eine riesige Staubwolke über das Tal legte und alles bedeckte. Noch in Innsbruck zeigten die Messinstrumente ein Erdbeben an. Tatsächlich war an jenem Tag im Jahr 2007 ein 100 Meter breiter Gesteinsbrocken vom Einserkofel in den Südtiroler Dolomiten abgebrochen. Die Ursache: der Rückgang des ewigen Eises, des Permafrosts im inneren der Berge.

Ein Viertel der Landmassen der nördlichen Hemisphäre sind permanent gefroren - nicht nur in den Polarregionen, sondern auch in Hochgebirgen und sogar in mittleren Höhen Europas. Es ist vor allem das Eis, was die Berge stabil macht.

"Wenn in einem Viertel dieser Erde, geprägt durch Eis im Untergrund, dieses Eis taut, dann verändert sich dort die Oberfläche, die Infrastruktur, das Ökosystem. Es gibt dramatische Veränderungen." erklärt Prof. Dr. Hans-Wolfgang Hubberten, Potsdamer Forschungsstellenleiter des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung.

Auch Deutschland ist davon betroffen, denn die Zugspitze, mit 2962 Metern der höchste Berg des Landes und eine beliebtes Touristenziel, ist zu einem großen Teil gefroren. Ohne das stabilisierende Eis würde der Berg kollabieren. - Und der Permafrost geht zurück, Stück für Stück taut der Berg auf. Nicht nur Felsstürze sind die Folge - Gebäude beginnen im Boden zu versinken, bekommen Risse im Fundament, stürzen ein.

Es scheint, als wäre die in den letzten Jahren vieldiskutierte Klimaerwärmung die Ursache für die Bedrohung durch den schmelzenden Permafrost. Doch ist das die tatsächliche Ursache und was wird wirklich passieren? An einem Ort könnte sich das Geheimnis lüften. Mitten in Sibirien liegt unberührt der seit Jahrtausenden gefrorene Eissee El'Gygytgyn - der Weiße See. Er ist ein einzigartiges Klimaarchiv. Hier hoffen die Wissenschaftler die Antworten zu finden, wie das Klima der Vergangenheit aussah und wie es in der Zukunft sein könnte.

Ein Filmteam begleitete deutsche und russische Forscher des Alfred-Wegener-Instituts auf ihrer Reise nach Sibirien, und war hautnah dabei, als das einzigartige Klimaarchiv geöffnet wurde. Hoffnungsvoll richten sich auch die Blicke aus den Alpen nach Sibirien. Denn mit den Entdeckungen vom El'Gygytgyn können auch hier die Gefahren die mit dem schwindenden Permafrost einher gehen und die künftige Entwicklung der Landschaft besser abgeschätzt werden.

Eine Koproduktion mit dem MDR in Zusammenarbeit mit ARTE
D - 2008 - 45 min