Zivilisierte Wildnis

Die Flusshirten der Save


Im kroatischen Tiefland des Pannonischen Beckens, kurz vor der Grenze zu Bosnien-Herzegowina, verlangsamt die Save ihr Tempo und breitet sich über die weite Ebene aus. Hier erstreckt sich der größte Auwald Europas: Eine Fläche von 450 Quadratkilometern, die mehrmals im Jahr bis zu neun Meter hoch überflutet wird. Während die meisten anderen Flüsse in Europa längst begradigt und eingedeicht sind, ist das Flußtal der Save auf weiten Strecken unberührt. Hier hat eine der vielfältigsten und faszinierendsten Flusslandschaften Europas überlebt und mit ihr die Traditionen der Menschen an den Ufern des Flusses. Im Wechsel von Trockenheit und Flut bildeten Bauern und Fluss über Jahrhunderte ein Bündnis. Doch heute wirtschaften nur noch wenige Flusshirten in der alten Tradition, der mehr als tausend Jahren alten Hudewirtschaft ihrer Vorfahren. - Riesige Herden von Wildpferden und Schweinen hüten sie in der endlosen Weite der Flutwiesen.

Einer dieser letzten Flusshirten ist Ivan Adamovic. Im Frühjahr, sofort nach dem Abschmelzen des Schnees treibt er seine Turopolje Schweine auf die Weiden. Schweine, die mit ihrer massiven Stirn, den breiten, bis über die Augen reichenden Schlappohren und ihrem lockigen Fell ganz anders aussehen, als die uns bekannten, rosa Hausschweine. Es sind die wahrscheinlich ältesten Schweine Europas. Hier in den Save-Auen wurden sie wieder entdeckt, nachdem man sie schon fast für ausgestorben hielt. In kleinen Herden streifen die Tiere selbständig durch die Flussaue. Mit ihren langen Schnauzen wühlen sie bei der Nahrungssuche die Erde der Wiesen um. So halten sie große Schlammflächen offen, in denen dann andernorts gefährdete Pflanzen wie Kleefarn und Seekanne wachsen können. Auch Vögel, wie der Wachtelkönig oder die Weißbartseeschwalbe, kommen damit leichter an ihr Futter. Trocknet die Hutweide im Sommer aus, ziehen die Schweine in die dichten Auwälder. Die Leitsauen kennen das Gebiet genau und führen ihre Herde auch bei Überflutungen zu sicheren Flächen. Auf den Hutweiden grasen nun imposante Graurinder, gleich neben tief im Gras verborgenen Brutkolonien seltener Löffler, die hier an der Save überleben konnten, auch weil die Rinder bis zum Herbst das Grünland um die Kolonie frei halten.

Der Film folgt den Flusshirten auf ihren uralten Wegen über die Hutweiden und entdeckt dabei Tiere und Pflanzen, die im Rest Europas längst ausgestorben sind.